Die Geschichte von Menschen, Elefanten, Löwen und Flüssen
Für die Kurzleser:
6. – 10.2.21. Ein Traum geht in Erfüllung – Elefantenbesuch(e) auf Purros; 10.2. Mit Heidi & Werni zum wasserführenden Hoanib River; 11. – 14.2. Palmwag again; 15.2. Hoada again – aber dieses mal anders; 15.2. Im Oppi Kopii Camp in Kamanjab ); 16.- 18.2. Wiedersehen mit Tamara & Dr. Patrick oder in Otjiwarongo ändern die Pläne; 18.2. Wine & Dine bei Otavi Vinyards; 19.2. Tsumkwe; 20. – 23.2. Alleine im Khaudum NP; 23.2. Riverdance Lodge; 24. – 27.2. Shametu Lodge, Mahango & Buffalo NP sowie Löwen hautnah; 28.2. Weil es so lecker war; Wine & Dine auf Otavi; 1.3. – 3.3. Abschied von Tamara & Patrick; seit 3.3. Blogtime auf Otjiwarongo
Für diejenigen mit etwas mehr Zeit:
6. – 10. Februar 2021: Am 7. Februar 2021 ist es nun also soweit – wir bekommen den ersehnten (nächtlichen) Elefantenbesuch (Details siehe separater Blog). Am Tag darauf kommen Heidi & Werni in Purros an und wir schliessen schnell Freundschaft. Heidi & Werni sind seit 2019 unterwegs und fuhren die Ostroute von Ägypten bis Namibia. Es gibt viel zu erzählen und so geht auch der erste gemeinsame Abend schnell zu Ende.
Obwohl es keinen Elefantenbesuch mehr gibt, entscheiden wir uns noch eine Nacht zu bleiben und Heidi & Werni auf die Elefanten-Tour zu begleiten. Wir überzeugen unseren Guide Kai, dass auf seinem Pickup problemlos vier Personen sitzen können. Abenteuerlich ist nicht nur die Flussbettfahrt, sondern auch der Zustand des Toyotas. Offenbar ist die Batterie am Lebensende und als es stark zu regnen beginnt, zeigt der rechte Scheibenwischer Ermüdungserscheinungen. Kai lässt dies jedoch kalt und so nimmt er den losen Scheibenwischer in die Hand, lehnt sich aus dem Toyota und wischt die rechte Seite während dem Fahren manuell;-). Ach ja, und die Elefanten sehen wir nach einer langen Fahrt auch – wie immer majestätisch! Ebenfalls majestätisch ist Kai’s Gottvertrauen, denn er stellt in unmittelbarer Nähe zu den Elefanten erneut den Motor ab. Es kommt, wie es kommen muss; als er wieder starten möchte, will die Batterie nicht, respektive nicht sofort, sonst könnte ich dies hier ja nicht schreiben. Nach der Rückkehr macht uns Kai noch die mit Kondomen geflickten Reifen aufmerksam;-).
Zurück im Camp lernen wir Cathrin & Sven kennen und verbringen den Abend zu sechst. Cathrin & Sven planen ins abgelegene Marienfluss-Tal zu fahren, von wo Heidi & Werni herkommen und schwärmen. Heidi & Werni hingegen planen auf der 4×4-Stecke zum Hoanib River zu fahren. Obwohl uns der Norden extrem reizt, entscheiden wir uns mit Heidi & Werni zum Hoanib River aufzubrechen. So können wir auch rechtzeitig unseren Flug verschieben (den Rückflug mussten wir wegen dem 90 Tage-Visum auf den 14. Februar buchen, obwohl uns schon damals klar war, dass wir – so Corona will – länger bleiben werden). Und ja, hier muss man solche Dinge planen, denn Telefonverbindungen sind nicht garantiert und Internet gibt’s fast weniger zu sehen als Elefanten.
Während dem Frühstück am nächsten Morgen kommt Heidi angerannt: «Die Elefanten befinden sich ein paar Meter neben Cathrin & Sven»! Dort angekommen sind die Dickhäuter leider bereits wieder weg, aber die Spuren sprechen Bände. Bei der Rezeption holen wir die zwei Elefanten unerwartet ein und können sie aus nächster Nähe betrachten. Als wir schlussendlich losfahren, sind die Beiden sogar wieder auf unserer Campsite und haben die Wasserversorgung erneut angezapft.
Es ist immer noch der 10. Februar und so fahren wir den Offroadtrack zum Hoanib River. Auf der schönen Strecke stellen wir nach 70 gefahrenen Kilometern fest, dass beim Sprinter von Heidi & Werni eine Blattfeder gebrochen ist. Umdrehen wollen die beiden nicht und so flicken wir das Teil in bester Buschmechanik-Technik mit drei Kabelbinder, einem Ratschenband und zwei Nylon-Socken.
Das Tages-Highlight ist die Ankunft beim trockenen Flussbett. Die Schlucht ist eindrücklich. Wir entdecken auf der anderen Seite, weiter Flussabwärts, ein Fahrzeug. Kurze Zeit später gesellen sich drei weitere dazu. Wir beobachten, wie die Insassen Kameras und eine Drohne auspacken. Will Smith ist aktuell für Dreharbeiten in Namibia – werden wir ihn sehen? Nach 30 willsmithlosen Minuten geben wir auf und beschliessen im trockenen Flussbett noch etwas Flussaufwärts zu fahren. So kurven wir um die Sanddüne und fallen fast in Ohnmacht, als wir auf der anderen Seite plötzlich Wasser im Hoanib River sehen. Die Ankunft vom Wasser haben wir offenbar um Sekunden verpasst. Aber wir werden Zeuge von einem extrem seltenen Naturspektakel. Immer mehr Wasser flutet das Flussbett – Gänsehaut! Nach einem kurzen Ausflug hinunter zum Wasser entscheiden wir uns, die Weiterfahrt zu unterlassen und in sicherer Höhe unser Nachtlager aufzuschlagen. Heidi kocht Älpler-Magronen – sensationell und wir über(fr)essen uns gnadenlos!!!
Der erste Blick am 11. Februar gilt dem Hoanib. Krass, wie viel Wasser immer noch fliesst. Die Vorstellung an die benötigten Regenmassen weiter oben sind beeindruckend. Wir fahren erneut zum Flussbett und Heidi wagt sich barfuss in die Fluten; die Tiefe geht, aber der Schlamm beim Einstieg macht uns Sorgen. Also wird eine Schneise weggeschaufelt und los geht’s! Die erste Flussdurchquerung funktioniert tadellos, aber schnell kommen wir an eine zweite Stelle wo wir den Hoanib überqueren müssen. Es wird uns klar, dass dies nicht die Letzte sein würde. Umkehren ist scheisse, aber ist die Weiterfahrt ein zu grosses Risiko? Die Entscheidung wird uns durch herannahende Ranger genommen (und das in the middle of nowhere). Wir sollen ihnen einfach nachfahren und so durchqueren wir das Flussbett ein paar Mal. 15 Kilometer flussaufwärts stehen wir bei der ersten Ausfahrtsmöglichkeit. Links geht’s nach Sesfontein, rechts ins Palmwag Reserve. Obwohl wir die Stecke schon einmal gefahren sind, entscheiden wir uns Richtung Palmwag zu düsen. Flussaufwärts wird der Hoanib enger, sodass eine Weiterfahrt unmöglich ist. Die zweite Fahrt durch das Palmwag Reserve zeigt, dass bei schlechtem Wetter und ausgespülten Strassen die Fahrt nicht mehr sooo toll ist, wie man sie in Erinnerung hat. So geht es über 100 Kilometer Holperstrassen bis zu unserem Nachtlager im Park.
Am 12. Februar fahren wir zur Palmwag Lodge. Hier bleiben wir zwei Nächte, gönnen uns Hamburger und Steak im Restaurant und lassen das Erlebte sacken. Zudem können wir endlich unseren Rückflug verschieben und unsere Aufmerksamkeit dem Batterieproblem widmen. Kurz vor der Verschiffung bekam Mojito noch einen Ladebooster eingebaut. Bei Sonnenschein war alles prima, da die Solarzellen die Batterie luden. Nun scheint die Sonne weniger und wir müssen feststellen, dass wir jeweils nach einer längeren Fahrt statt einer vollen Batterie, weniger Power haben – irgendetwas stimmt mit dem Booster nicht…. Also machen sich Mech-Tanja und Mech-Cello unter Fernanleitung von Profi-Mech-Veit an die Reparatur.
Zu viert fahren wir am 14. Februar über den Grootberg Pass zur Hoada Campsite. Schnell wird klar; es hat selbst hier viel geregnet. Der Pass ist teilweise schlammig und was vormals komplett ausgetrocknet rotsandig leuchtete, erstrahlt nun in Grün. Hohes Gras säumt die Strasse und wir sind berührt, in einer so regenreichen Zeit hier sein zu dürfen. Bei der Hoada Campsite angekommen, lernen wir den Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Managerin kennen. Während wir bei unserem ersten Besuch überwältigt waren, schämen wir uns diesmal, dass wir mit unseren Freunden hier sind. Der Lieblingsspruch der neuen Managerin ist «Business is Business» und so versucht sie uns permanent über den Tisch zu ziehen. Die Campsites sind plötzlich deutlich teuer, Feuerholz kostet fünfmal mehr und Fleisch würde sie uns auch gerne teuer verkaufen. Dafür hat der Pool kein Wasser und die Campsites seien «under construction». Schlussendlich haben wir zwar kein warmes Wasser zum Duschen aber Wasser im Pool. Und den schönen Abend geniessen wir sowieso.
Im Blog Nummer 10 haben wir böserweise über Kamanjab hergezogen. Ja, die Stadt schafft es auch beim zweiten Besuch am 15. Februar nicht in die Liste der Sehenswürdigkeiten Namibias, aber das Oppi Koppi Camp ist toll und ein Geschäft mit einer guten Auswahl an Lebensmittel haben wir tatsächlich auch noch gefunden. Auf Oppi Koppi nächtigen Overlander mit ausländischem Kennzeigen kostenlos, sofern sie hin und wieder etwas in der Bar konsumieren. …was bei uns eher extrem krass fastniedagewesen selten ist. Zudem werden die Flüssigkeiten sogar gesondert entsorgt;-)
Am 16. Februar trennen sich unsere Wege; Heidi & Werni fahren nach Outjo um die kaputte Blattfeder zu reparieren (Anmerkung: Unsere Buschmechanik hat perfekt gehalten!). Wir fahren einmal mehr nach Otjiwarongo zum Bloggen und administrative Dinge zu erledigen. In Otji treffen wir Tamara & Patrick. Die beiden hätten eigentlich dieses Wochenende zurückfliegen müssen. Statt dies zu tun, haben sie den Flug um zwei Wochen verschoben und möchten in den Caprivi-Streifen im Nordosten reisen. Unterhalb von diesem Streifen befindet sich der Khaudum Nationalpark, welcher nur mit Minimum zwei Fahrzeugen bereist werden darf und aktuell fast unbefahrbar sei. Ein tolles Abenteuer finden wir und so legen Tanja & ich unseren Plan für den Süden vorerst auf Eis.
Nachdem wir unseren Blog aufgeschaltet und die administrativen Dinge erledigt haben, sowie Tanja trotz üblen Kopfschmerzen die Pläne nicht über den Haufen werfen will, fahren wir am 18. Februar zum Otavi Vineyard.
Anm. d. Red.: Tanja hat in der Out of Africa Town Lodge am ersten Abend versucht den metallischen Bettrahmen mit dem Hinterkopf zu spalten. Das Ganze tönt vielleicht amüsant, führte jedoch dazu, dass ich erstmals richtig Schiss um sie hatte und für mich die Weiterfahrt nicht mehr in Frage kam. Dr. Cello hatte riesige Sorge, dass es mehr als eine krasse Hirnerschütterung sein könnte.
So oder so genossen wir bei Otavi Vineyard ein Wine & Dine der Spitzenklasse und konnten zugleich unseren Weinvorrat für die bevorstehenden Tage aufpolieren.
Am 19. Februar machen wir uns ziellos auf in Richtung Khaudum Nationalpark. Schlussendlich fahren wir die gesamten 371 Kilometer bis Tsumkwe (eine Ortschaft nahe des Parkeingangs). Hurricaneartiger Regen begrüsst uns. Bei der einzigen Lodge werden wir informiert, dass der Campingplatz unter Wasser steht. Wir dürfen vor der Rezeption auf dem Parkplatz campieren, die Empfangshalle als Unterstand und in einem aufgeschlossenen Bungalow Toilette & Dusche benutzen. Sogar die Lodge-Küche wurde uns zur Nutzung angeboten – unglaublich nett. Leider haben sich Kopfschmerzen und Übelkeit bei Tanja während der Fahrt derart verstärkt, dass die Nacht für Tanja zur Hölle wird. Zur Belohnung gibt’s am nächsten Morgen Besuch von einem Büsi (welches fast in Mojito verschwunden wäre;-).

Trotz vielseitigem Rat kommt eine Umkehr für sie nicht in Frage. So fahren wir am nächsten Morgen zum Parkeingang und schlussendlich in den Park.
Anm. d. Red.: Die Kopfschmerzen und Übelkeit hielten Tage an – glücklicherweise geht es Tanja heute wieder gut.
Das erste Camp im Nationalpark wird seit rund zwei Jahren umgebaut und ist deshalb geschlossen. Im Park gilt ein Wild-Camping-Verbot, sodass man 110 Kilometer bis zur einzigen offenen Campsite fahren muss. Gemäss verschiedenen Reiseführern, Blogeinträgen und Youtube-Videos ist die Fahrt sandiges hardcore 4×4 fahren und an einem Tag kaum zu bewältigen. Gemäss dem Eingangs-Parkwächter benötigt man hingegen für die Fahrt aktuell rund zwei Stunden – dass dies etwas untertrieben ist, ist bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 km/h klar (ok, es steht selten ein Polizist mit einem Radarkontrollgerät in einem abgelegenen Nationalpark, wo sich aktuell nur alle paar Wochen Touristen verirren). Es stellt sich schnell heraus, dass die 40 km/h selten erreicht werden können und so kommen wir am späteren Nachmittag auf der Khaudum Campsite an.

Dort angekommen, staunten wir nicht schlecht ob der Preise; umgerechnet CHF 20 pro Person und CHF 7.50 pro Auto werden abgerufen. Als ich erkläre, dass wir «in sä Hart Namibians» seien (Namibier zahlen aktuell meist einen Bruchteil der Touristenpreise), kam die Antwort «ohhh you not Namibians?» und die neue Preisliste zeigte umgerechnet CHF 25 pro Person und CHF 11 pro Auto. Der offenbar namibische Preis pro Person ist in etwa das, was man normalerweise für einen super Campingplatz mit privaten Sanitäranlagen für zwei Personen zahlt. Für Mojito zusätzlich bezahlen, mussten wir noch nie. Bei den anschliessenden Telefonlautsprecher-Fern-Verhandlungen mit der abwesenden Chefin handeln wir 225 namibische Dollar netto pro Person, inklusive Fahrzeuge, Tageslicht und Sternenhimmel aus (umgerechnet CHF 15). Immerhin bietet sich uns ein unerwarteter Anblick: Der Platz ist gross, hat eine Weitsicht über das Tal mit Tieren und verfügt über niegelnagelneue private Sanitäranlagen.
Die Campsite und der Nationalpark gefallen uns so gut, dass wir drei Nächte bleiben. Tagsüber fahren wir trotz viel Regen immer wieder durch den Park. Die Wege – sofern man dem so sagen kann, denn manchmal müssen wir einfach nach GPS durchs Dickicht fahren – erinnern uns an Jurassic Park. Hinter jedem Busch erwarten wir einen Dinosaurier, sehen aber «nur» unzählige Gnus, Hakuna-Matata-Tiere, Springböcke und sogar zwei Elefanten;-).
Am 23. Februar wagen wir uns auf die Strecke aus dem Park, welche im Reiseführer wie folgt beschrieben wird:
«Am abendlichen Lagerfeuer ist die Stimmung gut – allerdings nur bei jenen, die noch nie in der Gegend waren und damit rechnen, dass nun bereits das Gröbste geschafft ist. Laut Karte sind es ja «nur» noch etwa 50 km bis zum geteerten Trans-Caprivi-Highway. Die Realität sieht anders aus.»
Quelle: Namibia Reiseführer von Dumont, 5. aktualisierte Auflage 2018
Gemäss einem anderen Reiseführer muss mit acht bis neun Stunden für die Strecke gerechnet werden. Wirklich aufhalten tut uns schlussendlich aber «The Calculator», wie wir den Park-Ausgangs-Beamten liebevoll nennen. Er kostet uns fast mehr Zeit, als die sandige Fahrt aus dem Park. Immer wieder fragt er, wie viele Personen wir sind. Hin und wieder zählt er uns durch und kommt nach intensiver Arbeit auf vier. 40 namibische Dollar pro Person und 10 pro Fahrzeug wäre der Tagespreis. Als er noch herausfindet, dass wir keine Namibier sind (die würden die Hälfte zahlen) und zwei Fahrzeugen vor dem Tor stehen, beginnt die Rechnerei von vorne. Immer wieder fragt er nach der Personenzahl und gibt 40 mal 40 plus irgendetwas in seinem Taschenrechner ein. Schlussendlich – und nicht gelogen 25 Minuten später – zeigt er mir stolz die Summe von 325. Er bittet mit nachzurechnen. Ich sage ihm, dass seine Rechnung prima sei, wir uns einfach auf 300 einigen könnten – DEAL! Leider ist auch Verhandlungsgeschick nicht seine Stärke, denn als wir zur Schranke laufen, fragt uns The Calculator nach Wein. Ach herrjeh, hättest du uns zuerst gefragt, hättest du jetzt Wein und wir eine andere Rechnung im Sack. Aber wie sagt der Wendler so schön – EGAL! Und wir kommen bestimmt wieder, denn in der Trockenzeit soll es hier von Elefanten nur so wimmeln.
Die 50 Kilometer bis zur geteerten Strasse sind sandig; teilweise ist der Sand tief. Da wir jedoch extrem tolle Fahrer sind, schaffen wir die Strecke in unter zwei Stunden (ok, der Regen hat uns sicher auch geholfen, dass der Sand fester ist;-). Den Abend verbringen wir auf der schönen Campsite bei der Riverdance Lodge direkt am und mit Sicht auf den Kavango River (auch Okavango oder Cubango genannt).
Da wir in den kommenden Tagen den Mahango und den Buffalo Nationalpark besuchen wollen, fahren wir am 24. Februar nach Divundu zum Einkaufen und Tanken und übernachten auf dem Campground der naheliegenden Shametu-Lodge. Shametu wurde uns schon von verschiedenen Personen empfohlen und zeigt sich uns auch als schöner Ort mit sehr freundlichem Personal. Noch am gleichen Abend buchen wir die Sundowner-Boots-Tour ohne Sundowner aber mit vielen Hippos. …wenn man in der Regenzeit hierher kommt, kann man auch nicht alles erwarten;-). Als wir vom Boot steigen, spricht uns Deon an (einer der Eigentümer) und fragt nach unseren Plänen für morgen. Wir erzählen ihm vom Mahango NP und er gibt uns wertvolle Tipps. Ebenfalls empfiehlt er uns unbedingt in den Buffalo NP zu fahren, da es dort Löwen gäbe.
Den Mahango NP erkundigen wir am 25. Februar. Büffel, Khudus, Oryxe, Hakuna-Matata-Tiere, Gnus und vieles Mehr sehen wir – Elefanten bleiben uns leider verborgen. Statt zu kochen, entscheiden wir uns für Burger im Lodge-Restaurant. Beim Essen planen wir am nächsten Tag via Buffalo NP weiter in den Caprivi zu fahren. Ein Weg ist rund 300 Kilometer, das ist uns klar. Zu späterer Stunde kommt Deon an unseren Tisch und erkundigt sich nach unseren Erlebnissen im Nationalpark und unserem Plan für den nächsten Tag. Wir erzählen ihm vom Buffalo NP und der Fahrt weiter in den Caprivi. Deon meint, dass es doch eine ordentlich lange Strecke für drei Tage sei und aktuell dort alles unter Wasser stehe. Er an unserer Stelle würde auf Shametu bleiben und in aller Ruhe den Buffalo NP erkunden. Um Löwen zu sehen, müssten wir entweder vor sechs Uhr oder am späten Nachmittag losfahren. Falls gewünscht, werde er uns sagen, wo der beste Ort für die Löwensichtung sei.
Hmmm, wir denken kurz nach und merken selber, dass der Weg hin und zurück mit über 600 Kilometer in der Regenzeit für drei Tage vielleicht doch etwas übertrieben ist. Also beschliessen wir hier zu bleiben, auszuschlafen und den Park am Nachmittag in Angriff zu nehmen.
26. Februar: Gegen elf Uhr treffen wir Deon und lassen uns zeigen, wo wir die besten Chancen auf Löwen haben. Kurz darauf fahren wir los. Die Einfahrt in den Nationalpark ist unspektakulär. Gemäss Deon sollen wir uns immer rechts auf den kleine Strassen halten. Offenbar fahren nicht viele diese Wege, denn wie im Khaudum NP wird der Weg schnell abenteuerlich. Irgendwann versperrt ein riesiger umgekippter Baum den Weg und wir denken an Umkehr. Da umkehren scheisse ist, bahnen wir uns einen Weg durch den Busch um den umgestürzten Baum. Danach folgt eine ordentlich steile Passage und als wir Mojito als erstes oben abstellen, bemerken wir, dass er sich schon ordentlich neigt. Aber wie sagt der Wendler nochmals so schön – EGAL.
Nachdem auch Tamara & Patrick mit ihrem Fahrzeug oben ankommen, soll es weitergehen. Die Strecke sieht anspruchsvoll aus. Aber erst als wir weiterfahren bemerken wir, dass die linke Spur von den starken Regenfällen derart ausgewaschen ist, dass sie immer tiefer von der rechten abfällt. Und was passiert wenn eine Spur tiefer wird als die andere? Genau, die Schräglage wird immer krasser. Und EGAL was auch immer der Wendler singt, Mojito ist unser Zuhause und ist uns alles andere als EGAL. Die Schräglage ist jetzt schon bedrohlich (was man leider auf dem Foto nicht wirklich sieht) und so müssen sich Tanja & Tamara seitlich an Mojito hängen, während ich den Rückwärtsgang einlege. Als wir uns wieder aus der Misslichen Lage befreit haben, merken wir, dass es keine Wendemöglichkeit gibt und wir die steile 4×4 Strecke rückwärts bewältigen müssen – EGAL; für Mojito ist dies glücklicherweise kein Problem;-).
Zurück auf der «Haupt»-Strasse fahren wir weiter in den Park. Wir bleiben stehen, als wir abseits vom Weg ein stehendes Game-Drive-Fahrzeug sehen. Und siehe da, vor dem Auto unter dem Busch liegt ein stolzes ausgewachsenes Löwenmännchen – wir können unser Glück nicht fassen und geniessen den Moment. Irgendwann hat der Bursche dann aber genug und er verschwindet im Busch.

Wir fahren weiter in den Park und treffen noch einmal auf das Fahrzeug. Der Guide berichtet uns, dass sie kurz zuvor eine ganze Löwenfamilie mit fünf Jungen gesehen haben. Einfach auf der Strasse seien diese gelaufen. Ein bisschen anscheissen tut es uns ja schon, dass wir die Löwen-Family nur knapp verpasst haben, aber immerhin haben wir ja Big Daddy gesehen. Ausserdem denken wir nicht ans Aufgeben und fahren weiter in den Park. Bei der Ranger-Station angekommen, ist der Nachmittag bereits weit fortgeschritten, weshalb wir umdrehen. Auf dem Weg zurück sehen wir aus der Nähe eine Hippo-Familie welche weniger Freude an uns hat, als wir an ihnen. Immer wieder reissen die mächtigen Tiere das Maul weit auf. Wir befinden uns in sicherer Distanz und brauchen uns keine Sorgen zu machen. Weiter geht’s, bis wir an einer Stelle Spuren auf den Reifenspuren im Sand entdecken. Schnell springe ich aus Mojito und siehe da: Frische Löwenspuren, welche in den Busch führen. Wir fahren weiter und entdecken noch mehr frische Löwenspuren. Trotz Tanjas «du wirsch no vo nem Leu gfrässe»-Protest, steige ich aus. Wow, zwei Spuren! Gaaaaanz frisch! Und plötzlich geschieht es: Neben mir brüllt es! Und im Gegensatz zu den Hippos befinde ich mich nicht in einer sicheren Distanz, denn der Löwe sitzt rund zehn Meter entfernt in einem Busch.
Ich bin in Rekordzeit wieder im Mojito. Aber überzeugt euch selbst davon im Video;-).
Etwas geschockt fahren wir gegen sieben Uhr aus dem Park. Auf Shametu werden wir bereits von Deon erwartet und erfahren, dass Menschen glücklicherweise nicht das primäre Beuteschema der Löwen sind.
Leider ist die Verlängerungs-Zeit für Tamara & Patrick wieder vorbei. Da es die vergangenen Tage lange und viel geregnet hat (diese Dinge schreibt man ja nicht immer wieder;-) und die Regenzeit noch bis Ende März anhält, entscheiden auch wir uns wieder Richtung Sonne zu fahren. So fahren wir am 28. Februar wieder zu Otavi Vineyard, wo wir uns erneut nach den vielen Strapazen ein Wine & Dine gönnen. Beim Wine & Dine lernen wir Marlies und ihren Freund Victor kennen. Marlies ist die Tochter von quasi benachbarten Farmern (bei Grundstücken von mehreren tausend Hektaren sind die Distanzen eh subjektiv). Marlies & Victor passen aktuell auf die Farm ihrer Eltern auf und sagen uns, dass sie sich über einen Besuch freuen würden. Also düsen wir am nächsten Tag die 18 Kilometer ab der Hauptstrasse zur Farm und werden herzlich von den beiden begrüsst. Sie führen uns durch das Gelände mit Minibananen, Passionsfrucht, Tangarinen, Avocado, Physalis, Hibiskus und sehr, sehr vielem mehr (vor allem Mais-Anbau und Rinderzucht). Falls ihr zwei diesen Text zufälligerweise lesen solltet: Noch einmal herzlichen Dank für die tolle Führung, die Chillis, Minze, Lorbeerblätter und die ausgezeichnete Marmelade!
Weiter geht es am 1. März Richtung Otjiwarongo bis zur Otjiwa Safari Lodge. Chillen in der Lounge, Baden im Pool, Jassen, ums Feuer sitzen und einfach geniessen. Da Tamara & Patrick am Mittwoch in Windhoek sein müssen und wir für administrative Dinge und Mojito-Pflege nach Otjiwarongo wollen, geniessen wir hier zwei Nächte und Tage.
Am 3. März heisst es Abschied nehmen und einmal mehr; es war cool mit euch! Herzlichen Dank an dieser Stelle auch für die vielen tollen Fotos von euch (Patrick ist ein leidenschaftlicher und begabter Fotograf, diverse Fotos hier (z.B. das Beitrags-Titelbild) sind sein Werk)!
Seither sind wir wieder in Otjiwarongo. Mojito musste in den Parks einiges einstecken. Die Handbremse hat mehr Spiel und die Bremsen funktionieren schlechter. Gemäss Google, Tom & Veit (von Tom’s Fahrzeugtechnik), müssen wir dringend die Bremstrommeln reinigen. So oder so – Mojito hat sich eine gründliche Reinigung verdient;-).
Ein Blick in die Zukunft…
Geplant ist aktuell, dass wir langsam Richtung Windhoek gondeln, uns einen Kurzaufenthalt auf Onjala gönnen, vielleicht noch Cathrin & Sven treffen und Mitte März nach Botswana reisen – dort soll es angeblich auch schön sein und unser Namibia Visum läuft Ende März mal wieder aus 😉
Unglaubliche Eindrücke, macht Freude euch zu begleiten.
Liebe Tanja, ich bin happy, dass es dir wieder gut geht.♡