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Fondue ist einfach immer sensationell

In Sambia von Livingstone bis hoch in den Norden (Blog 37)

Von Livingstone (Süden) über den Kasanka NP bis zum Lake Tanganyika (Norden)

Für die Kurzleser:

 

3. – 9.7.22. Nach einem Grenzübertritt wie bei Asterix & Obelix lassen wir es in Livingstone ruhig angehen; 9.7. 317 Km bis wir bei Itezhi-Tezhi in der Chimbila Lodge einchecken; 10.7. Gamedrive und Übernachtung im Kafue NP; 11.7. Im Roy’s Camp neben dem Kafue NP aber am Kafue River; 12. – 16.7. Im Lukasa B&B neben Lusaka (Hauptstadt von Sambia) pflegen wir Mojito und uns selber; 16. 18.7. Camping in der Pizzeria La Fattoria; 18. – 20.7. Shigu Camp – was für ein traumhafter Ort; 20. -22.7. Zwei fantastische Nächte auf der Farm bei Marlie & Ty; 22.7. Kasanka Nationalpark; 23. – 25.7. Samfya – Ort der lustigen Schilder; 25.7. Mumbuluma Falls – wo die Wärter spektakulärer sind als die Wasserfälle; 26.7. Lumangwa Falls – wo die Wärter Abzocker und der Wasserfall spektakulär ist; 27. – 31.7. Vier Tage Erholung am Lake Tanganyika mit coolen Nachbarn

Für diejenigen mit etwas mehr Zeit:

 

Am 3. Juli heisst es früh aufstehen; heute steht der Grenzübertritt von Botswana nach Sambia bei Kazungula auf dem Programm. Sambia ist für uns Neuland. Ausserdem haben wir gelesen, dass es ähnlich wie bei Asterix und Obelix erobern Rom zugehen soll, als die beiden Gallier den Passierschein A38 beschaffen müssen😲.

Als wir Botswana verlassen, sind wir schon das erste Mal verunsichert. Wir befinden uns bereits auf der Brücke nach Sambia: Hätten wir nicht vorher ausstempeln müssen?!? Wir wissen zwar, dass sich beide Grenzposten in einem neuen Gebäude befinden, aber sind wir wirklich richtig🤔? Zum Glück sind wir es!

 

In der grossen Halle gehen wir als erstes zum Gesundheitsschalter, wo unsere Impfzertifikate geprüft werden und wir einen kleinen Zettel erhalten. Danach geht es zu Botswana-Immigration wo unsere Pässe ausgestempelt werden. Danach folgt Botswana-Customs, wo unser Carnet de Passage ausgestempelt wird. 

 

Das ging alles einfach und schnell; nun startet die Sambia-Seite: Zuerst gehen wir zu Sambia-Immigration. Wir werden nach unseren Plänen gefragt und dann wird das Visum ausgestellt oder besser; würde ausgestellt, denn der netten Dame ist das Papier im Drucker ausgegangen. Wir warten rund eine Viertelstunde, bis sie einige leere Seiten aus einem anderen Office beschaffen kann. Danach wollen wir zu Sambia-Customs um das Carnet de Passage wieder einzustempeln. Bevor wir das können, müssen wir jedoch die Bestätigung von Interpol aus dem Nachbarsgebäude haben. Dort warten wir, bis sie die Motoren- und Chassis-Nummer von Mojito prüfen und dann noch einmal ein Weilchen, bis wir ins Büro dürfen, um den Stempel abzuholen. Danach geht es zurück zu Sambia-Customs, wo unser Carnet eingestempelt wird. Anschliessend müssen wir an einem Schalter noch die Brücken- und Abfall-Gebühr bezahlen und an einem anderen Schalter die Strassengebühren. Jetzt fehlt uns nur noch die Versicherung, welche wir in einem anderen Nachbarsgebäude erhalten. Zum Glück hat sich Tanja gut informiert, denn zuerst wollte der Schelm über 500 Kwacha! Als Tanja ihm sagt, dass das viel zu teuer ist, will er uns plötzlich helfen und gibt uns das gleiche Dokument für 265 Kwacha. Witzig ist, dass man bei der Hälfte der Büros in US$ und den Rest in der lokalen Währung Kwacha zahlen muss. …aber wir waren glücklicherweise informiert und so ist das alles kein Problem. Ausserdem waren, mit Ausnahme der zwei Herren von Interpol, alle sehr freundlich und kompetent.

 

Mit unzähligen Dokumenten bewaffnet, fahren wir zur Barriere, wo alles noch einmal kontrolliert wird und wir nach Reis gefragt werden. Nachdem wir glaubhaft erklären, dass wir leider zuerst einkaufen müssen, öffnet sich die Barriere: Welcome to Sambia!

Ein bisschen Stolz auf uns, alles ohne Fixer geschafft zu haben (so nennt man die Typen, welche einem gegen Entgelt Hilfe beim Grenzübertritt anbieten), fahren wir nach Livingstone und quartieren uns auf dem Campground der Waterfront Lodge ein. US$ 30 oder 510 Kwacha kostet die Nacht für zwei Personen. Der Campground ist in Ordnung; ausser, dass es in der Dusche und Toilette von Mücken nur so wimmelt. Die Terrasse der Lodge liegt oberhalb der Viktoria Fälle. Von hier aus können wir sogar die riesige Gischt-Wolke sehen. Das Restaurant serviert gute Speisen und hat schnelles Internet.

 

Als wir vom Campground zum Restaurant laufen, machen wir Bekanntschaft mit drei Sambier und einer Südafrikanerin. Diese sind für ein paar Tage in Livingstone zum Party machen. Während wir im Restaurant das Formel 1 Rennen schauen, gehen die Vier aufs Schiff und sind zweieinhalb Stunden später gut angeheitert zurück. An der Bar ist noch eine Gruppe von Farmern. Schlussendlich feiern wir mit allen bis zwei Uhr morgens und werden bereits auf eine Farm eingeladen😎

Wir buchen insgesamt drei Nächte bei Waterfront. Da wir noch etwas länger in Livingstone bleiben wollen, sehnen wir uns nach einem Tapetenwechsel. Also besuchen wir am dritten Tag die Thorn Tree Lodge, welche ebenfalls Camping anbietet. Hier lernen wir Nadja & Michael (ein sehr sympathisches Paar aus Deutschland, welche mit ihrem grösseren 4×4-Camper und ihrem Hund Gorbi unterwegs sind) sowie Marie & Michael (ein sehr sympathisches Paar aus der Schweiz, welche mit ihre Fahrräder unterwegs sind; krass, da muss man sich wirklich aufs Minimum beschränken) und später noch Claire (die Eigentümerin) kennen. Wir verbringen den Nachmittag und Abend in der Lappa mit Bar und fahren anschliessend in unser Camp bei der Waterfront zurück.

Am nächsten Morgen wechseln wir für weitere drei Nächte in die Thorn Tree Lodge. Ein Filmteam aus Kanada ist ebenfalls vor Ort, welches über Marie & Michael eine Dokumentation dreht. Am dritten Tag werden auch wir zu Filmstars🙈🤣! Die Filmcrew möchte unbedingt eine Konversation auf Schweizerdeutsch aufnehmen und so haben wir ungekämmt und mit verpennten Augen plötzlich eine Kamera vor dem Gesicht😲.

 

Bevor das passiert, treffen wir uns am ersten Abend mit Julia, welche sich auf einer Pressreise befindet und per Zufall für drei Tage in Livingstone ist, im Royal Livingstone Hotel (Benno, mein «kleiner» Bruder ist leider in Deutschland geblieben). Die Hotelanlage ist traumhaft, liegt direkt am Fluss kurz vor den Victoria Fällen. Der Sonnenuntergang vom Deck am Fluss ist spektakulär. Der Service ist schlecht und die Preise sind gesalzen, aber der Abend zu Dritt ist wunderschön🥰.

Der zweite Abend verbringen wir im Thorn Tree mit Marie & Michael sowie Claire. Wir quasseln was das Zeug hält und gehen um ein Uhr mit Erfrierungserscheinungen ins Bett.

Am dritten Abend sind wir cleverer und lassen uns im Cheminée in der Lapa ein Feuer machen. Den Abend verbringe wir mit Rebekka & Mike, welche am Abend zuvor mit ihrem coolen Mercedes-Big-Rig angekommen sind. 

Tagsüber erledigen wir alles mögliche in der Stadt, schreiben unseren Blog und laden diesen irgendwann hoch. Wir begegnen auf der Thorn Tree Lodge einem belgischen Paar, welche mit ihren drei Buben reisen. Diese haben wir vor Kurzem vor einem Supermarkt in Divundu (Namibia) getroffen. Sie erzählen uns, dass sie kurz nach unserer Begegnung in Maun (Botswana) auf einem Campground ausgeraubt wurden. In der Nacht sei das Fenster vom Auto eingeschlagen worden und alles – von Profi-Fotokamera mit Objektiven (sie ist Fotografin), über Drohne bis hin zu allen Portemonnaies und Laptop – geklaut wurde😱. Angeblich hat der Campground zwei Sicherheitsleute, welche mit grosser Wahrscheinlichkeit ziemlich ordentlich an der Beute beteiligt sind🥺. Zum Glück sind wir bisher von solchen Erlebnissen verschont geblieben🤔.

 

Am 9. Juli ist es Zeit zum Adieu sagen und aufbrechen! Wir fahren 317 Kilometer bis Itezhi-Tezhi. Nein, wir möchten nicht plötzlich schneller reisen, aber die Distanzen sind hier einfach eine andere Liga. Am Nachmittag kommen wir an unserem Ziel, der Chibila Lodge an. Claire (von der Thorn Tree Lodge) hat uns den Platz empfohlen und der Empfang von Brad & Ruth könnte nicht herzlicher sein. Die Lodge verfügt nicht wirklich über einen Campground, aber bietet zwei Fahrzeugen eine Parkmöglichkeit mit traumhafter Aussicht über den Itezhi-Tezhi-See. Ausserdem ist die Nasszelle die sauberste auf unserer bisherigen Reise und die Dusche ist ein Traum. 

 

Am Abend wird für uns Feuer gemacht. Später treffen noch drei weitere Gäste ein, welche in Sambia wohnen und von Lvingstone zurück nach Hause fahren. Diese haben uns – oder besser Mojito – bereits in Livingstone gesehen und wollen alles mögliche über unsere Reise wissen. Am nächsten Morgen müssen sie früh los, denn sie haben zwölf Stunden Fahrt auf einer Strecke von 800 Kilometer vor sich😱!

Am 10. Juli fahren wir in den Kafue Nationalpark. Der Kafue NP hat eine Fläche von unglaublichen 22’400 km2(zum Vergleich: Die Schweiz hat eine Fläche von 41’285 km2). Unser Camp namens Kasabushi liegt entsprechend nicht gleich um die Ecke, sondern 141 Kilometer entfernt. Auf dem Weg dorthin sehen wir Elefanten, Hippos (darunter ein ganz kleines, frisch geschlüpftes Hippo-Baby), Impalas und Pukus (sehen aus wie Impalas mit etwas buschigerem Fell und grösseren Augen) sowie unzählige von Tsetsefliegen. Mojito zu verlassen, käme deshalb quasi einem Selbstmord gleich.

 

Für alle die nicht wissen, was eine Tsetsefliege ist: Die Tsetsefliege ernährt sich von menschlichem und tierischem Blut und kann die Schlafkrankheit übertragen. Ein Stich ist schmerzhaft. Die Stelle schwillt an und juckt über Tage abartig fest. Dummerweise sind die Tiere extrem aggressiv. Glücklicherweise ist das Kasabushi Camp frei von Tsetsefliegen. Ach ja; die Zebras haben übrigens wegen den Tsetsefliegen streifen🤓 – wer’s nicht glaubt, kann sich gerne im nachfolgenden Video überzeugen.

Unser Campground liegt direkt am Kafue River. Es gibt gratis Feuerholz und eine wirklich coole Dusche😎!

Am 11. Juli fahren wir zuerst auf Game-Drive-Routen im Kafue Nationalpark Richtung Norden. Tatsächlich erspähen wir drei Löwendamen. Leider sind die wenig von uns angetan und verschwinden schnell im hohen Gras🙄. Bei der Ausfahrt aus dem Park erwarten wir, dass wir noch einmal einen vollen Tag bezahlen müssen. Die Parkgebühren betragen US$ 20 pro Person und stolze US$ 15 für Mojito. Beim Gate verlangt der Ranger von uns aber lediglich die Nächtigungsgebühr von 7 Dollar pro Person. Eigentlich wäre diese nur fünf Dollar, aber wenn wir uns so die restliche Gebühr sparen, bezahlen wir gerne 14 Dollar😉. Damit hat uns der Ranger auch den Entscheid genommen, ob wir im Kafue Nationalpark weiter nördlich zu den Sümpfen fahren sollen. 

 

Die Fahrt hätte vier Stunden gedauert und der Rückweg wäre die gleiche Strecke gewesen. Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, fahren wir gerne eine Strecke nur einmal. Also fahren wir über den Kafue River und campen ausserhalb des Nationalsparks beim Roy’s Camp. Unser Campground liegt wieder direkt am Kafue River und am Abend kocht Tanja sensationelles Gemüse-Crayfish-Curry🤩!

Am 12. Juli fahren wir Richtung Lusaka, der Hauptstadt von Sambia. Der Verkehr ist ordentlich jedoch sind die Strassenschilder die grösste Herausforderung – oder besser gesagt: Die fehlenden Strassenschilder🤪! Oftmals gilt Tempolimit 60 Stundenkilometer, selten darf man 80 fahren, in besiedelten Gebieten sind 40 oder gar 20 angesagt. Da wir gehört haben, dass die Geschwindigkeiten häufig kontrolliert werden, fahren wir vorsichtig. Oftmals haben wir keine Ahnung, was für ein Tempo gilt. Wenn wir mehr als drei Mal überholt werden, getrauen wir uns ein bisschen schneller zu fahren🙈🤣. Wir passieren drei Road-Blocks, werden als Touristen immer freundlich durchgewunken. Am Strassenrand gibt es neben tonnenweise Tomaten, Zwiebeln und Kartoffeln hin und wieder auch gut abgehängtes Fleisch🤓!

Nur knapp halten wir uns von einem Gross-Fleisch-Einkauf zurück🤣 und fahren weiter Richtung Lasaka ins Lukasa Bed & Breakfast. Hier verbringen wir schlussendlich vier Nächte. Am dritten Abend stossen Najda & Michael, welche wir in Livingstone kennen gelernt haben, dazu. Wir gehen an der Stadtgrenze einkaufen, reinigen Mojito von oben bis unten, Tanja macht Grosswäsche und führt den Papagei spazieren, ich verwandle mich vom Nikolaus zurück zu Cello und wir bringen Mojito in die Werkstadt. Drei kleine Dinge müssen repariert werden, was in Afrika schlussendlich wie immer viel Zeit in Anspruch nimmt🤔. Ach ja, und wir kaufen uns einen Hund🙈! Gorbi taufen wir ihn😍. Einerseits gefällt uns der Name, anderseits gleicht er Gorbi von Nadja & Michael tatsächlich etwas.

Lukasa ist ein Guesthouse mit vielen Grünflächen. Wir haben eine eigene Dusche und Toilette. Ein Gebäude mit Waschmaschine und eine Aussenlounge für Traveller. Am Abend lassen wir uns öfters mit Nachtessen im Gästehaus verwöhnen.

Am 16. Juli fahren wir weiter nordwärts ins Restaurant La Fattoria. Wie es der Name schon verrät, gibt es hier gute Pizzen und feine Pasta. Das Restaurant gehört Cath und Claire (die Eigentümerin vom Thorn Tree in Livingstone). Ausserdem bauen sie derzeit neben dem Restaurant einen kleinen Campground, wo wir nächtigen. Vier fixe Zelte mit eigenem Bad sind bereits fertiggestellt. An den sanitären Anlagen für die Camper wird noch gearbeitet, weshalb wir die Dusche und Toilette eines Zeltes nutzen dürfen.

Wir bleiben zwei Nächte, bevor die Reise nordwärts weitergeht. Ja, hier kann man lange nordwärts fahren😱, denn Sambia hat eine Fläche von 752’614 km2 und ist somit 18,2297202 Mal grösser als die Schweiz🤓). 100 Kilometer in der Schweiz entsprechen quasi 1’822 Kilometer in Sambia🤔; mit dem kleinen Unterschied, dass hier die Strassen oft in deutlich schlechterem Zustand sind. Und wer jetzt denkt, dass es dafür in Sambia keinen Stau gibt, der ist noch nie in der Nähe von Lusaka gewesen🤪. Ausserdem sichtet man auf der Strasse allerlei Kuriositäten, wie beispielsweise dieser beachtliche Schwertransporter – überholen beinahe unmöglich😱! Ach ja, wunderschönen Toiletten begegnen wir auch noch…

Am 18. Juli fahren wir 248 Kilometer – wahrscheinlich kann man sich denken, was jetzt kommt – weiter nordwärts bis zur Shigu Farm. Unser Campground liegt direkt am hauseigenen Dam mit eigener Dusche, Toilette und riesiger Lapa. Feuerholz ist ebenfalls zur Genüge da; ein Traum🤩! Uns gefällt es so gut, dass wir zwei Nächte bleiben. Am zweiten Tag erkunden wir zu Fuss den Dam. Leider führt kein Weg rundherum und so machen wir einen Abstecher durch die verschiedenen Felder. Unglaublich, wie gross die Weizenkreise sind. Ausserdem laufen wir durch Tomatenfelder mit Millionen der runden Früchte. 

Auf Shigu haben wir das perfekte Wetter für unser nächstes Fondue🤩! …und mit den neuen ausfahrbaren Gabeln, verbrennen wir uns zum ersten Mal die Hände nicht mehr🙈🤣! …ein Gadget hat sich schon mal bewährt🤪!

An unserem letzten Tag auf Shigu erhalten wir auf Instagram eine Nachricht von Marlie. Marlie & Ty waren Teil der vier ausgeflippten Personen, welche wir an unserem ersten Abend in Livingstone getroffen haben. Angeblich hat uns Ty irgendwo auf der Strasse gesehen (immerhin hat sich jetzt das Rätsel um das komische uns entgegenkommende Auto, welches permanent aufgeleuchtet und der Fahrer uns aus dem Fenster zugewunken hat, gelöst). Dass sie in der Nähe von Mkushi wohnen, haben sie uns gesagt, aber dass sie Luftlinie nur gerade 13 Kilometer von der Shigu Farm leben, erfahren wir, als Marlie uns den Standort sendet. Sie hätten Freude, wenn wir auf ein Kaffee oder noch besser, zum Nachtessen kommen würden. Übernachten sei auch kein Problem, von Gästezimmer bis riesiger Garten für unseren Mojito sei alles vorhanden. 

 

Wir überlegen nicht lange und vereinbaren das Treffen am nächsten Tag. Die 13 Kilometer Luftlinie entpuppen sich als 80 Kilometer Fahrt, da es logischerweise kein direkter Weg durch die verschiedenen Farmen gibt. Wir verbringen einen wundervollen Nachmittag und Abend mit den Beiden. Marlie möchte uns nicht gehen lassen und so beschliessen wir am 21. Juli noch eine Nacht länger zu bleiben. Zum Abschied erhalten wir Kiloweise Kartoffeln, Chillies, Frühlingszwiebeln, Karotten, Kräuter und vieles mehr aus deren Garten! Herzlichen Dank euch beiden für die tolle Gastfreundschaft😍, wir haben es sehr genossen und kommen gerne wieder😉!

Am 22. Juli heisst es Abschied nehmen. Wir fahren weiter 292 Kilometer bis zum Kasanka Nationalpark. Obwohl der Campground direkt am Sumpf liegt, bleiben wir von Moskitos und Tsetse-Fliegen verschont. Wahrscheinlich ist das bei wärmerem Wetter hier anders. Unsere freundlichen Caretaker (Platzwächter, Beschützer oder wie auch immer man das auf Deutsch formulieren will) versorgen uns mit Feuerholz. Wir sind die einzigen Gäste und geniessen den Abend auf der Aussichtsplattform. Ausser verschiedenen Antilopenarten erspähen wir leider keine Tiere. In der Nacht hören wir zwei Hippos in unmittelbarer Nähe und das getröte der Elefanten etwas weiter weg. 

An nächsten Morgen fahren wir nach einem ergebnislosem Game-Drive aus dem Park bis nach Samfya. Samfya liegt direkt am Bangweulu-See, welcher mit den Bangweulu-Sümpfen und dem Überschwemmungsgebiet zu den grössten Feuchtgebietssystemen der Welt zählt. Gemäss letztem Eintrag auf IOverlander soll das Samfya und insbesondere das Samfya Marina auf dem aufsteigenden Ast sein. Als wir in Samfya ankommen, scheint alles eher auf dem absteigenden Ast zu sein🙈; mit Ausnahme eines offenbar neuen Beach-Clubs für die Einheimischen. 

 

Im Samfya Marina werden wir freundlich empfangen (Anm.d.Red.: Es ist der einzige Ort weit und breit, wo man mit minimaler Infrastruktur campen kann). Ja, wir können gerne campen, die Nacht koste 300 Kwacha pro Person. 300 Kwacha pro Person? …die letzten haben 150 bezahlt und vor einem Jahr noch 100. Die Verhandlungen dauern 15 Sekunden und wir einigen uns auf 300 Kwacha pro Nacht für uns beide🤪. Danach zeigt uns der Manager, wo wir Mojito abstellen können; hier neben dem alten Zelt und den allgemeinen Sanitäranlagen. Hmm, wenig verlockend und in das Scheisshaus bringen uns keine 100’000 Pferde. Schon beim Anblick steckt man sich gefühlt mit allen möglichen Krankheiten an😲! Ok, dann hier drüben, unterhalb eines Bungalows. Hmm, da führt kein Weg hin. Wie sollen wir da hinkommen – fliegen🙈? Wir fragen, was mit der Ebene oberhalb der Bungalows ist. Wie wir wissen, kann man dort campen und die Camper können Dusche und Toilette in einem Bungalow nutzen. Ach ja, das sei auch eine Möglichkeit. Also parkieren wir Mojito auf dem Hügel und nutzen Dusche und Toilette von Bungalow 3 – geht doch🤓

 

Hier sind die sanitären Anlagen ganz in Ordnung. Ausserdem sind die Aufsichtspersonen sehr freundlich und hilfsbereit. Am Abend steht die versammelte Wachmannschaft vor uns und meldet sich zum Dienst. Ich nehme die Wachablösung ab und verteile dem neuen Personal minimalen Sold🤣🤣🤣! Das neue Personal freut sich und versichert uns, dass wir noch nie sicherer geschlafen hätten🙈🤣!

Den Sonntag verbringen wir im angrenzenden Beach-Club und schauen das Formel 1-Rennen. In Erinnerung wird uns Samfya aber hauptsächlich wegen der vielen wundervollen Schilder bleiben. Neben der Warnung vor betrunkenen Personen, übernimmt hier ausnahmsweise sogar der Eigentümer Verantwortung für die badenden Gäste🤪!

Am 25. Juli fahren wir 119 Kilometer bis zu den Mumbulumwa Falls. Der Eintritt kostet 10 Dollar pro Person und 15 Dollar mit Camping (plus 5 Dollar für Mojito). Ein stolzer Preis für zwei Wasserfälle. Einheimische bezahlen 5 Kwacha (umgerechnet ca. 0.3 Dollar, was ich für Einheimische angemessen finde). Wahrscheinlich würden der Staat mit gemässigteren Preisen für ausländische Gäste mehr Kohle machen, aber wirtschaftliches Denken ist leider nicht überall gegeben🙄

 

Der Campground besteht aus einer Wiese mit ein paar Bäumen. Ausserdem stehen uns die Toiletten im Rezeptionshaus zur Verfügung. Der Wassertank sei kaputt, aber die Toiletten seien mit Flush! Peter und Abraham, unsere zwei Caretaker, unternehmen alles, dass man sich wohlfühlt. Stolz halten sie den Platz sauber und füllen die Spülkästen nach Gebrauch wieder nach. Für unser Lagerfeuer bestellen wir Feuerholz. Auf die Frage wie viel es kosten wird, meint Peter, dass wir einfach bezahlen sollen, was wir wollen. …aus Erfahrung kommt das selten gut und so sage ich ihm, dass es für beide Seiten stimmen soll und wir doch besser den Preis vorher vereinbaren. Nach langem hin und her meint er: 20 Kwacha. Das sind umgerechnet circa 1.20 Dollar. Für uns wenig Geld und so schlagen wir auch ein. Für alle die meinen, wir seien Sklaventreiber: Ein Farmangestellter verdient pro Tag zwischen 40 und 50 Kwacha. Peter und Abraham auf dem Campground wahrscheinlich noch weniger🤔

 

Peter und Abraham verschwinden im Busch und kommen beide mit einer Ladung Holz zurück. Wir bedanken uns und wollen zahlen, aber die beiden meinen, das sei sicher noch nicht alles. Sie verschwinden wieder und bringen eine neue Ladung. Wir wollen bezahlen, aber die beiden meinen, es gehe noch weiter. Peter kommt zuerst zurück und ich sage ihm, dass es nun wirklich genug sei und als ich Abraham mit einem halben Baum antraben sehe, sage ich Peter, dass er diesen gerne für seine nächsten Gäste behalten könne. Weil die beiden so toll sind und unser Holzhaufen so gross ist, geben wir 30 Kwacha. 

Unsere nächste Etappe zu den Lumangwe Falls beträgt 263 Kilometer. Tönt nach wenig, ist es aber nicht! Also stehen wir am 26. Juli frühmorgens auf und düsen kurz nach Sonnenaufgang los. Bis zum Ziel brauchen wir über sechs Stunden. Anfänglich ist die Strasse noch geteert und in gutem Zustand, dann ist sie zwar noch geteert aber von Löchern durchsiebt. Danach folgt unbefestigte, teils extrem ausgewaschene Strasse. Wir sind froh, als wir kurz vor 14:00 Uhr unser Ziel erreichen. 

 

Auch bei den Lumangwe Falls gibt es Caretaker. Schnell wird klar, dass diese hier aber primär versuchen für sich care zu taken😱. Das Schlitzohr bei der Rezeption schlägt uns vor, dass wir zu einem guten Kurs in Kwacha bezahlen können, falls wir keine Quittung brauchen. Wir fragen ihn, ob er uns verarschen will und sagen, dass ohne ordentlichen Abschlag nichts geht. Nach den Verhandlungen sagt er uns, dass kurz vorher ein Deutsches Paar angekommen sei. Hmm ok, aber es gibt ja nur ein Platz bei den Fällen😲?!? Neinnein, es gäbe inzwischen mehr, die Deutschen stünden angeblich oberhalb bei den sanitären Anlagen. Wir glauben es zwar nicht, aber haben sowieso keine Alternative, denn der nächste Campground liegt gute 250 Kilometer entfernt. Wir fahren die eineinhalb Kilometer bis zum Wasserfall und werden von drei weiteren «Caretakern» empfangen. Logischerweise steht das Deutsche Paar auf dem Platz beim Wasserfall. Wir sollen uns doch auf den Ersatzplatz hinters Scheisshaus stellen. Wasser gebe es übrigens nicht. Duschen ist somit nicht möglich und die Spülkästen müssen wir selber füllen, falls wir wollen. Aber Feuerholz sollen wir doch kaufen😲!

 

Ich bin stocksauer und scheue mich nicht, das in Worten auszudrücken😱. Geschockt meinen die beiden, dass wir auch beim Aussichtspunkt parken können. Als wir dort sind, frage ich die beiden, wie sie es sich vorstellen, dass wir mit Mojito hierher kommen – keine Option! Danach meinen die beiden, dass der schönste Platz direkt am Wasserfall ja noch frei sei. Wir verstehen es nicht und lassen es uns zeigen. Also laufen wir zum Platz, wo die Deutschen stehen. Wir sollen uns direkt zum Wasserfall stellen, quasi direkt vor die Schnauze der Deutschen. Ich versuche zu erklären, dass wir einen Funken Restanstand haben und das deshalb nicht machen. 

 

Kurz darauf kommen wir mit Birgit & Manfred ins Gespräch. Ich frage sie, ob es stören würde, wenn wir Mojito in der anderen Ecke parken würden. Überhaupt nicht, meinen die beiden – also ist dieses Problem gelöst😉. Sofort fragen die beiden «Caretaker» wieder, ob wir Feuerholz brauchen. Auf diversen Kommentaren haben wir gelesen, dass kein Preis genannt und kurz vor Abfahrt dann zwischen 100 und 150 Kwacha verlangt wird😱. Sie versuchen die Masche mit «morgen bezahlen» bei uns auch, aber wir bestehen auf einen Preis. 100 Kwacha meinen die beiden😲. Wir lachen und sagen ihnen, dass wir gestern für einen ganzen Scheiterhaufen 20 bezahlt haben. Die beiden meinen, dass es hier viel teurer sei (logisch) und zeigen auf eine kleine Holzbeige für 50 Kwacha. Ok, dann brechen wir die Verhandlungen ab und nehmen unser Feuerholz. Das wollen sie nicht und erkundigen sich nach unserem letzten Angebot. 40 Kwacha und unter ausdrücklichem Vorbehalt, dass wir mit der Grösse des Haufens und der Holzqualität einverstanden sind; Rechtsweg ausgeschlossen🙈🤣! Deal. Die beiden verschwinden im Busch und kommen mit ein paar Stücken zurück – fertig! Wir schütteln den Kopf und wollen mehr. Nach dem zweiten Gang bezahlen wir.

 

Obwohl wir nicht so Wasserfall-Affin sind, müssen wir gestehen, dass die Lumangwe Falls eindrücklich sind. Für uns sind es die kleinen Viktoria Fälle🤩.

Nach dem Essen verbringen wir den Abend mit Birgit & Manfred am Lagerfeuer. Da wir früh aufstehen müssen, gehen wir rechtzeitig zu Bett.

 

Dass ich von unseren «Caretakern» nicht so angetan bin, konnte man wahrscheinlich bisher aus den Zwischenzeilen herauslesen. Meine Begeisterung schwindet nach dem morgentlichem Toilettenbesuch noch einmal drastisch. Kein WC-Ring, kein Wasser, kein Toilettenpapier und kein Licht – Letzteres ist wahrscheinlich von Vorteil😱! Leider ist mir entgangen, dass der vor dem Haus stehende Eimer auf der Seite ein grosses Loch hat. Also setzte ich beim Versuch den Spülkasten mit Wasser zu füllen, das halbe Scheisshaus (und mich selbst) unter Wasser😱. Genervt kehre ich zu Mojito zurück und putze mir die Zähne. Kurz darauf kommt ein neuer «Caretaker» um die Ecke und klaut unsere Wasserflasche, welche ich auf einer Tonne bei Mojito deponiert habe. Er läuft mit seiner neuen Errungenschaft zum Fluss um diese zu füllen. Das Fass überläuft, der Dampfkochdeckel explodiert, genug ist genug! Ich springe aus Mojito und frage den Typen, was das soll? Er meint, dass die Flasche ja leer gewesen sei. Da dies nicht stimmt, bringt er mich noch mehr in Rage, aber lassen wir es an dieser Stelle gut sein. Zur allgemeinen Beruhigung: Ich habe den Typen weder im Fluss ertränkt, noch verprügelt – er lief mit seiner neuen Wasserflasche von dannen🤪!

 

Fazit: Der Wasserfall ist wirklich spektakulär. Der Rest leider ein Shithole. …wobei leider nicht einmal das zutrifft, denn das Scheisshaus möchte man eigentlich unter keinen Umständen besuchen müssen🙈🤣.

Am 27. Juli beträgt unsere Tagesetappe 252 Kilometer. Wieder stehen wir früh auf und machen uns auf den Weg. Etwas über sieben Stunden benötigen wir schlussendlich bis zur Ndole Bay Lodge am Lake Tanganyika. Der härteste Teil sind fünf Kilometer steinige Strasse. Steinige Strasse hatten wir schon oft, aber auf dieser liegen die Steine meist quer und ragen wie Schneidemesser aus der Erde! Wir werden durchgeschüttelt und beten, dass unsere Reifen halten. Belohnt werden wir in der Lodge mit einem traumhaften Campground am Strand vom Lake Tanganyika. Da die gleiche Strecke zurück führt, beschliessen wir schon am zweiten Tag statt zwei Nächte, vier Nächte zu bleiben. 

Die vier Tage vergehen wie im Fluge! Neben uns steht ein Österreich/Irisches Paar mit ihren zwei Kindern. Barbara, Gareth mit Ella & Liam sind ausgesprochen nette Nachbarn😍. Am zweiten Abend sitzen wir zusammen vor dem Lagerfeuer, am dritten Tag spielen wir mit ihnen Wizard und Liam versucht mir Schach beizubringen. Die vier waren tagsüber erfolgreich fischen. 19 Stück war die Beute und so werden wir schwupsdiwups zum Fisch essen eingeladen. Polenta, Ratatouille und viiiiiiiiiiel feinen Fisch🤩

Zwischendurch schreiben wir Blog, waschen Wäsche, streicheln Hunde & Katzen, erhalten Besuch von einem Chamäleon und vielen Affen und beobachten die Hippos. Zwei Hippos tauchen jeden Abend direkt vor uns auf. Während sie am ersten Abend langsam im Wasser vorbeigehen, müssen wir sie am zweiten Abend erschreckt haben; sie rennen im Wasser, dass es nur so spritzt – unglaublich wie schnell die riesigen Viecher selbst im Wasser sind🤔. Am gleichen Abend hören wir beim Essen, dass etwas im Dunkeln herumschleicht. Als wir mit der Taschenlampe Richtung Mojito zünden, steht dort einer der beiden und ergreift sofort die Flucht Richtung Wasser😱. Die Spuren am nächsten Morgen zeigen, wie nahe er bei Mojito war🤓.

 

Der absolute Hammer ist aber: Gareth hat ebenfalls am 19. Januar Geburtstag🙈🤣. Nur der Jahrgang ist ein anderer. Gareth ist drei Jahre jünger🤪.

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